{"id":3423,"date":"2021-05-15T14:35:37","date_gmt":"2021-05-15T14:35:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/?p=3423"},"modified":"2021-05-15T20:21:27","modified_gmt":"2021-05-15T20:21:27","slug":"14-t-rehx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/2021\/05\/15\/14-t-rehx\/","title":{"rendered":"14 T-Rehx"},"content":{"rendered":"<p>T-Rehx<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich in die grosse Halle eingetreten war, war sofort ein Reh auf mich zugekommen und hatte mir einen Kaffee angeboten. \u00abHaben Sie vielleicht auch ein KarReh zum Essen?\u00bb hatte ich fragen wollen. Aber der Scherz war mir im trockenen Hals steckengeblieben. Ich hatte nur genickt. Die zehn Minuten, die mir noch blieben, sass ich nun vor der imposanten T\u00fcr und blickte verloren in meinen Kaffee.<\/p>\n<p>Die Schockstarre hatte ich noch im Garten verloren. Als ich mich ins Auto gesetzt hatte, hatte ich einen Weinkrampf erlitten, der direkt in einen Lachkrampf \u00fcbergegangen war. Geschlafen hatte ich wenig. Die letzten 15 Stunden waren in meinem Ged\u00e4chtnis nicht mehr als ein kurzes Aufflackern einzelner Bilder. Fast die ganze Nacht war ich vor dem Computer gesessen. Zuerst hatte ich die Ordner mit alten Fotos durchgeklickt, anfangs, um mich an die Zeiten zu erinnern, einzutauchen, ein bisschen Abstand zu gewinnen. Doch schnell hatte ich gemerkt, dass ich bei jedem Foto, auf dem mein Vater und dann auch Edi zu sehen war, nach irgendeinem Anzeichen des Reh-Inforcements suchte. Kleine H\u00f6rner, gr\u00f6ssere Ohren, der Ansatz eines Schwanzes, Hufe \u2013 irgendetwas. Aber nat\u00fcrlich war da nichts gewesen.<\/p>\n<p>Als ich heute Morgen aufgewacht war, hatte ich kurz das Gef\u00fchl, alles sei nur ein Traum gewesen. Bis ich in den Spiegel geblickt hatte. Meine eigenen H\u00f6rner, die grossen Ohren. Und das Gift, dass mir mein Vater eingefl\u00f6sst hatte, hatte nicht nur meinen K\u00f6rper ver\u00e4ndert. Ich sp\u00fcrte eine deutliche Sympathie, die in mir hochkam, als ich das Bild sah. Mein Bild sah. Im Geist wehrte ich mich noch gegen die neue Welt, in die ich eingetreten war. Mein Herz aber schien sie bereits zu akzeptieren.<\/p>\n<p>\u00abEntschuldigen Sie.\u00bb Die Stimme der Rehdame riss mich aus den Gedanken. Ich blickte hoch. \u00abEr ist jetzt dann bereit, Sie zu sehen.\u00bb Ich nickte. Zwang mich, mich zusammenzureissen. Eigentlich war bis jetzt alles recht angenehm gewesen, hier, in diesem Geb\u00e4ude, hier, unter den Rehen. Alle waren mir freundlich begegnet und man konnte auch nicht sagen, dass diese Tiere oder Menschen oder \u2013 wie sollte man nur sagen? \u2013 eben: Rehe \u2013 spassbefreit gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Dame \u2013 offenbar die SekReht\u00e4rin \u2013 hatte mir vorhin, als wir in das Vorzimmer eingetreten waren, an der Schulter gefasst und gesagt, dass alles gut werden w\u00fcrde. F\u00fcr Sie sei es \u00e4hnlich gewesen. Auch sie sei damals, als sie rehkrutiert worden sei, voller Zweifel gewesen. \u00abAber er\u00bb &#8211; sie zeigte auf die T\u00fcr, hinter der ich jetzt, in den n\u00e4chsten Minuten, auf den Imperrehtor treffen sollte \u2013 \u00abist eigentlich ganz okay. Er ist das \u00e4lteste Reh, m\u00fcssen Sie wissen.\u00bb Ich hatte genickt. Die Geschichte der Rehinkarnation hatte mir mein Vater ja bereits erz\u00e4hlt. Sie hatte gel\u00e4chelt. \u00abWissen Sie, wie wir ihn deshalb innerhalb der Belegschaft nennen?\u00bb \u2026 \u00abDen T-Rehx.\u00bb Sie hatte gelacht. Ich hatte mich gezwungen, auch zu l\u00e4cheln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T-Rehx &nbsp; Als ich in die grosse Halle eingetreten war, war sofort ein Reh auf mich zugekommen und hatte mir einen Kaffee angeboten. \u00abHaben Sie vielleicht auch ein KarReh zum Essen?\u00bb hatte ich fragen wollen. Aber der Scherz war mir im trockenen Hals steckengeblieben. Ich hatte nur genickt. Die zehn Minuten, die mir noch blieben, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3424,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-3423","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kurzgeschichten"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/TRehx.png","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3423"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3430,"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3423\/revisions\/3430"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3424"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}