{"id":3417,"date":"2021-05-08T15:17:26","date_gmt":"2021-05-08T15:17:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/?p=3417"},"modified":"2021-05-08T15:17:26","modified_gmt":"2021-05-08T15:17:26","slug":"rehggae","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanlotter.at\/index.php\/2021\/05\/08\/rehggae\/","title":{"rendered":"Rehggae"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rehggae<\/strong><\/p>\n<p>Ich war geschockt. Mein Vater hatte mich vergiftet? Die ersten Momente wusste ich nicht, was ich denken sollte. Ich zwang mich, ihn nicht anzusehen. \u00abBei mir war es dasselbe\u00bb, begann er pl\u00f6tzlich wieder. \u00abRobert. Er hat es mir sp\u00e4ter gestanden.\u00bb Er schwieg. Drehte sich zu mir. Anscheinend hatte er bemerkt, dass ich meine Augenbrauen zusammengezogen hatte. \u00abAuch ich war w\u00fctend.\u00bb Als er seine Hand auf meine legte, zuckte ich kurz, wollte sie wegreissen. Doch er hielt sie fest. Blickte mir tief in die Augen. \u00abDu musste zu ihm gehen.\u00bb \u00abZu wem?\u00bb \u00abZum Imperrehtor.\u00bb \u00abIch muss was?\u00bb, fuhr ich ihn an. Und dann erz\u00e4hlte er mir, was sich die letzten Wochen ver\u00e4ndert hatte. Warum er sich gezwungen gesehen hatte, mich ins Boot zu holen. Wie sehr er mit sich gek\u00e4mpft hatte, es auf diese Art und Weise zu machen. Und dabei hatte er gewusst, dass dies der einzige Weg ist. Weil es bei ihm selbst nicht anders gewesen ist. Der Vorgang sei immer derselbe. Ein Mitglied erh\u00e4lt einen Anruf von einer oberen Stelle und muss sich beim Imperrehtor einfinden. Meistens geht das mit einer Bef\u00f6rderung einher, mit einer Steigerung der Rehputation. Um diesen n\u00e4chsten Rang dann auch wirklich zu erhalten muss man sich verpflichten, die Rehkrutierung durchzuf\u00fchren. Meistens handelt es sich dabei um enge Verwandte oder Freunde. In einem ersten Schritt muss man sich ihnen als Reh zu erkennen geben. Das Unverst\u00e4ndnis, dass darauf folgt, verunsichert die Rehkruten meistens. Diese Unsicherheit wird dann von einer weiteren nahestehenden Person ausgenutzt, um die Rehkruten in ihren Zweifeln an der Ordnung der Welt zu best\u00e4rken. Und sie zur\u00fcck zur Ausgangsperson zu treiben.<\/p>\n<p>Er blickte mich tief an. Ich war wie gel\u00e4hmt von seiner Offenheit. Die Dreistigkeit, mit der mir gerade auf abgebr\u00fchteste Art und Weise erz\u00e4hlt hatte, wie er mich hinters Licht gef\u00fchrt hatte, hatte mich derart \u00fcberrumpelt, dass ich unf\u00e4hig gewesen war, irgendeine Art von Reaktion darauf zu sagen. Und noch jetzt, nachdem er schon wieder gut eine Minute schweigend in seinem Eck sass, war ich noch zu sehr damit besch\u00e4ftigt meine Gedanken zu ordnen, als dass ich irgendetwas h\u00e4tte sagen oder tun k\u00f6nnen. Meine ersten Worte waren daher nur ein Stottern. \u00abUnd was ist\u2026 ich meine, was war\u2026 wie\u2026 Edi hat arbeitet f\u00fcr euch?\u00bb Mein Vater blickte nur kurz auf. Eigentlich h\u00e4tte ich aufstehen und rennen wollen, doch seit ein paar Sekunden prangte wieder ein riesiges Geweih am Kopfe meines Vaters. Anstatt meine Frage zu beantworten sagte er: \u00abEs ist sinnlos, wenn du fragst. Du bist bereits ein Teil von uns. Ein Widerstand ist nicht nur zweck- sondern auch nutzlos.\u00bb Mit einem Schlag war jede Vertrautheit aus seinem Blick und seiner Stimme gewichen. Konnte das mein Vater sein? Wie gel\u00e4hmt sass ich auf der Gartenbank und umklammerte mein Weinglas. Als ich meine Blicke wieder auf das Rehagenzglas richtete stockte mir pl\u00f6tzlich der Atem. Er hatte Recht. Es war zwecklos. Die Geweihe auf den K\u00f6pfen der Menschen, die mich umgaben: Sie w\u00fcrden nicht mehr weggehen. H\u00e4tte ich eine Stimme gefunden, ich h\u00e4tte geschrien. Mein hilfesuchender Blick traf meinen Vater in den Nacken. Er war inzwischen zur Stereoanlage gegangen und legte eine CD in den Player. \u00abIch werde dir jetzt ein paar Dinge verraten. Sie werden dir helfen zu begreifen. Wenn du morgen zum Imperrehtor gehst, wird genug Neues auf die eintreffen. Ich m\u00f6chte dir die M\u00f6glichkeit geben ein Gef\u00fchl f\u00fcr das zu entwickeln, was ab heute deine Welt sein wird.\u00bb Er hatte auf Play gedr\u00fcckt. W\u00e4hrend die CD geladen wurde, drehte er sich um. \u00abDas erste und gleichzeitig Wichtigste, dass du wissen muss ist: Wir sind \u00fcberall. Es gibt keinen Bereich des menschlichen Lebens, in dem wir nicht sind.\u00bb Bob Marley begann im Hintergrund zu spielen. \u00abIt`s Rehggae-Time.\u00bb, sagte mein Vater, setzte sein Weinglas an und l\u00e4chelte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rehggae Ich war geschockt. Mein Vater hatte mich vergiftet? Die ersten Momente wusste ich nicht, was ich denken sollte. 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